Kuratorium ist Gastgeber für bedeutende Wanderausstellung anlässlich 20 Jahre „Irren ist menschlich e.V.“:

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Ausstellungsprojekt „Gratwanderung“ im Zehentstadel Beratzhausen am 1. Februar um 17.30 Uhr

Als feste Größe in der psychiatrischen und psycho­sozialen Landschaft Regensburgs und der Oberpfalz hat sich „Irren ist menschlich“ in zwei Jahrzehnten erfolgreich für die Belange von Menschen mit Psychiatrieerfahrung eingesetzt. Diese 20 Jahre „Irren ist menschlich e.V.“ sind der Anlass für eine Veranstaltungsreihe, in der das Ausstellungsprojekt „Gratwanderung“ einen Höhepunkt darstellt. Der Bezirk Oberpfalz und die Katholische Jugendfürsorge der Diözese Regensburg e.V. (KJF) haben sich gerne als Kooperationspartner daran beteiligt. Als Schirmherr ist Bezirkstagspräsident Franz Löffler der inklusive Ansatz des Projekts besonders wichtig.

Nach dem Auftakt in der Galerie St. Klara der Katholischen Jugendfürsorge ist das Ausstellungsprojekt „Gratwanderung“ auf seiner zweiten Station durch die Oberpfalz nun in Beratzhausen zu sehen. Partner ist hier das Kuratorium Europäische Kulturarbeit.  In der Schau präsentieren Oberpfälzer Künstlerinnen und Künstler mit seelischen Krisenerfahrungen Bilder, Skulpturen, Objekte und Texte.

Inklusiver Ansatz in der Kulturarbeit

„Für psychisch kranke Menschen ist Ausgrenzung eine der häufigsten Barrieren für die Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft“, erklärt Bezirkstagspräsident Franz Löffler, „das Projekt ‚Gratwanderung‘ bietet eine Möglichkeit, diese Thematik auf besondere Art und Weise an die Öffentlichkeit heranzutragen, die der Bezirk Oberpfalz gerne unterstützt“, sagt Löffler. Der Bezirk sei zum einen für die psychiatrische Versorgung zuständig, zum anderen zähle die Förderung von Kunst und Kultur zu seinen Aufgaben. „Dieses Ausstellungsprojekt verbindet beide Bereiche und bringt damit den inklusiven Ansatz in die Kulturarbeit ein, was mich sehr freut“, so Löffler.

Kreative Schaffenskraft

Kulturreferent Michael Eibl betont: „Ich bin begeistert über die enorme Kreativität, die uns in den Exponaten der Ausstellung ‚Gratwanderung‘ begegnet. Unser Verständnis von Kunst ist offen und unvoreingenommen. Wir wollen ein Bewusstsein dafür schaffen, dass kreative Schaffenskraft keine Behinderung kennt. Das Kuratorium in Beratzhausen hat erst im vergangenen Jahr bereits zum zweiten Mal ein internationales Kunstsymposium für Menschen mit und ohne Behinderungen organisiert.

Das Ausstellungsprojekt „Gratwanderung“ begann mit einem künstlerischen Wettbewerb. Erfahrene Kunstfachleute aus der Region, der Katholischen Jugendfürsorge und dem Bezirk Oberpfalz haben die 40 eingereichten Werke juriert. Die Künstlerinnen und Künstler leben in der Oberpfalz oder sind hier geboren. Sie haben Erfahrungen mit schweren seelischen Krisen. Die Ausstellenden sind teilweise professionell künstlerisch tätig, teilweise malen, zeichnen, schreiben sie nur für sich oder einen kleinen Adressatenkreis.

Feste Größe in der psychosozialen Landschaft

Der Verein „Irren ist menschlich“ ist im Laufe der 20 Jahre seines Bestehens zu einem unverzichtbaren Bestandteil des psychosozialen Systems der Oberpfalz geworden. Einerseits ist er Anlaufstelle und Unterstützer für Menschen mit Psychiatrieerfahrung, andererseits ist er wichtiger (Gesprächs)-Partner des Bezirks Oberpfalz und der medbo, der als organsierte Selbsthilfe die Perspektive der Betroffenen vertritt und dem Bezirk hilft, die Versorgung immer weiter zu verbessern. Er ist in den 20 Jahren seines Bestehens zu einer festen Größe in der psychosozialen Landschaft in Regensburg und der Region geworden.

Menschliche Krisen und künstlerisches Schaffen stehen oft im Zusammenhang.

Viele Menschen mit Krisenerfahrung sind durch ihre erhöhte Sensibilität der Fülle der täglichen Erlebnisse und Informationen noch intensiver ausgesetzt als Menschen mit der sprichwörtlichen „Elefantenhaut“. So viele Eindrücke brauchen Ausdruck und können auf diese Weise einerseits zur Überwindung der Krise beitragen, andererseits ermöglichen sie oft auch erst das schöpferische Werk. Das führt zu einer Gratwanderung zwischen den Welten und zu vielen Fragen: Was ist normal, was verrückt? Ist künstlerisches Schaffen erstrebenswert, wenn es mit so viel Anstrengung, ja sogar Leiden verbunden ist? Ist ohne Grenzgänge und ohne Krisenerfahrung Kunst überhaupt möglich? Wie geht die Gesellschaft damit um? Alle diese Fragen begleiten das das Ausstellungsprojekt „Gratwanderung“.

Weiterführende Informationen zu „Irren ist menschlich“ e.V.

  • Fachlicher Austausch mit psychosozialen Leistungserbringern (wie z. B. medbo, SpDi) und Gremien (z.B. AK Suizidprävention, Beirat für behinderte Menschen der Stadt Regensburg)
  • organisiert gemeinsam mit professionellen Anbietern trialogische Veranstaltungen wie z.B. das Psychose-Seminar in mehreren Städten der Oberpfalz
  • unterstützt die Idee des Depressionstrialogs und des Borderline-Trialogs sowie Schulprojekte, in denen über seelische Erkrankungen aufgeklärt wird und Berührungsängste abgebaut werden
  • sensibilisiert die Gesellschaft und trägt zur Entstigmatisierung Psychiatrie- Erfahrener bei, z.B. mit Kunstprojekten und einer Filmreihe mit anschließender Podiumsdiskussion im Kino
  • Selbsthilfegruppe für Psychiatrie-Erfahrene sowie Workshops und Vorträge für Mitglieder
  • informiert Mitglieder regelmäßig über wichtige (über-)regionale Entwicklungen

Weitere Informationen zu „Irren ist menschlich e. V.“ unter: www.irren-ist-menschlich-ev.de