Rückblick über das 3. Internationales Symposium für KünstlerInnen mit und ohne Behinderung in Beratzhausen vom 19. bis 30. Juli 2017Titel: „Mit Holz kochen!

Kunst und Kochen als  kreativer Verbindungsprozess

Nach acht sehr erfolgreichen Kunstsymposien, die das Kuratorium Europäische Kulturarbeit in Beratzhausen erfolgreich umgesetzt hat, hatte das Kuratorium im Jahr 2017 zum zweiten Mal Künstler mit und ohne Behinderungen zu einem zehntägigen Kunstsymposium eingeladen.

Nachdem in der Kunstlandschaft immer mehr Projekte für Menschen mit geistiger Behinderung entstehen, die mit „Outsiderkunst“ oder „Art brut“ bezeichnet werden, entsteht zunehmend ein Bewusstsein für die enorme Kreativität von Menschen mit Behinderungen.

Grenzen sprengen, Gewohntes, Gewöhnliches über Bord werfen und sich in neuen Formen des künstlerischen Ausdrucks tragen und treiben lassen, das zeichnete das 3. internationale Symposium für Künstler mit und ohne Behinderung aus.

Es begann mit einer Kunstausstellung im Zehentstadel Beratzhausen, um die Bevölkerung an das Thema heranzuführen. Außerdem wurden im Mitteilungsblatt des Marktes Beratzhausen zwei Texte über das Symposium in leichter Sprache veröffentlicht, um die Bevölkerung auf die Bedürfnisse von Menschen mit einer geistigen Behinderung zu sensibilisieren.

Während der Arbeiten auf dem Schlossergelände wurde dieser Platz im Ortszentrum in den zehn Tagen in ein offenes (inklusives) Kunst- im- Entstehen-Café umgestaltet. Holz, Kunstmachen und das Arbeitsumfeld damit zu gestalten und verwandeln waren zentrale Themen, die in diesem Symposium erforscht und getestet wurden.

Aus alten Möbeln, Brettern, Balken und dergleichen wurden zur Möblierung des Cafés Tische, Stühle, Tresen gebaut, ebenso eine kleine Küche. Alles wurde durch die Hände der Künstler durch Kunst in eine eigene Welt verwandelt.

Der Bereich Design wurde somit aktiv abgedeckt, die Kreativen konnten hierbei ihre individuellen Bedürfnisse und ihre ästhetischen Ansprüche und Anforderungen selbst verwirklichen und den sozialen (kommunikativen) Aspekt von Design begreifen und/oder realisieren. Die Künstler mit Behinderung konnten in ihren gewohnten Techniken wie Malen, Drucken, Zeichnen die Möbelstücke bemalen und verzieren.

Jeden Tag wurde zusammen mit den Kreativen und mit Hilfe von anderen Köchinnen und Köchen von außerhalb des Symposium-Zirkels ein einfaches Gericht (Suppe, Eintopf, Salat) zubereitet. Hierzu konnte u.a. auch der Leiter des Zentrums Bayern oder eine Flüchtlingsfamilie gewonnen werden. Kochen und das gemeinsame Essen boten den Teilnehmern und Besuchern eine Möglichkeit an diesem  kreativen Verbindungsprozess teil zunehmen.

Das Zubereiten und Anrichten von Speisen sowie das individuelle Eindecken der Tische selbst wurden als kreativer Prozess begriffen, der im Idealfall den künstlerischen Output beflügelt und inspiriert. Das Thema „Eat-Art“ wurde so aktiv behandelt und in all seinen Facetten als Brücke zwischen den Künstlern mit und ohne Behinderung und den Bürgern von Beratzhausen.

Projektpräsentation:

Alles, was während des Projekts erschaffen und gebaut wurde, ist fortlaufend ausgestellt worden. Ein Ausstellungsplan ist beigelegt.

Das entstandene „Kunst-Café“ wurde bei der Abschlussveranstaltung und bei einer großen Abschlussfeier mit Konzert praktisch in Betrieb genommen. Es steht auch künftig Verinen bei Veranstaltungen zur Verfügung. Das Kuratorium selbst wird es als Treffpunkt bei Vernissagen und Kunstprojekten einsetzen. So hat dieses beim Symposium entstandene Kunstwerk in Zukunft eine ganz praktische Verwendung.

Bei einem Künstlertreffen mit Staatssekretär Bernd Sibler wurde das Konzept und der Ablauf öffentlich vorgestellt. Beim Projektabschluss konnten sich der Bezirk, der Landkreis und der Markt Beratzhausen sowie eine breite Öffentlichkeit vom Projektergebnis überzeugen

Dokumentation:

Iva Radivojevic, New York, hat eine 15-minüzogen Film über das Projekt als Kunstfilm erstellt. https://goo.gl/rx6TnY

Abschließend entsteht noch ein Katalog, der das Symposium dokumentiert. Da die Finanzierung bereits ausgeschöpft ist, werden das Kuratorium und das Atelier inklusiv der KJF die Finanzierung übernehmen.

Teilnehmende Künstler waren :

Slav Nedev (Sofia), Tine Merz (Regensburg), Alois Achatz (Regenstauf), Kurt Sennebogen (Straubing), Ludwig Hirtreiter (Bogen), Christina Kerscher (Bogen), Iva Radivojevic (New York), Renato Rill (München), Renate Höning (Regensburg) und Stefan Bircheneder (Vilshofen, Regensburg)

Projektpartner und Förderer waren wie geplant das Kuratorium Europäische Kulturarbeit, die Katholische Jugendfürsorge (KJF), das Bayerische Wissenschaftsministerium, der  Bezirk Oberpfalz, der Landkreis Regensburg und der Markt Beratzhausen.

Michael Eibl, Kulturreferent